Die meisten Krankheiten lassen sich mit guter Haltung, Hygiene und Impfungen verhindern – und je früher Sie ein krankes Huhn erkennen, desto besser. Hier finden Sie die wichtigsten Infektionskrankheiten und Gesundheitsprobleme von Hühnern, mit den Regeln für Österreich, Deutschland und die Schweiz.
Verdacht auf Geflügelpest oder Newcastle-Krankheit?Beide Tierseuchen sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz anzeige- bzw. meldepflichtig. Bei plötzlichen Todesfällen, starkem Leistungsabfall, Atemnot, Schwellungen am Kopf oder Lähmungen sofort den Tierarzt bzw. die Veterinärbehörde (Amtstierarzt, Veterinäramt, kantonaler Veterinärdienst) verständigen.
Bis zur Klärung keine Tiere, Eier oder Geräte abgeben und den Stall nur mit eigener Kleidung betreten.
Hühner zeigen Krankheiten oft erst spät. Umso wichtiger ist der tägliche Blick in den Stall – diese Anzeichen sollten Sie ernst nehmen:
Diese beiden Viruskrankheiten sind hochansteckend, verlaufen oft tödlich und lassen sich nicht behandeln. Schon der Verdacht muss der Behörde gemeldet werden.
Für weitere Krankheiten wie die Infektiöse Laryngotracheitis (ILT), Gumboro oder die Geflügelpocken besteht – je nach Land – eine Meldepflicht; gemeldet wird in der Regel von Tierarzt oder Labor. In der Schweiz ist die ILT sogar anzeigepflichtig und wird durch Ausmerzung bekämpft.
Viele Infektionen beginnen mit ähnlichen Anzeichen wie Schnupfen, Atemgeräuschen oder Legeabfall – eine sichere Diagnose stellt nur der Tierarzt, oft erst mit Laboruntersuchung.
Marek-Krankheit
VirusImpfung am 1. LebenstagAnzeichen: Lähmungen (typisch: ein Bein nach vorn, eines nach hinten), Abmagerung, Tumore, Augenveränderungen; meist im Alter von 8–20 Wochen. Ungeimpft sterben 5–50 %.
Übertragung: Über Federstaub, der über ein Jahr ansteckend bleibt; Küken sind in den ersten Lebenstagen am empfänglichsten.
Vorbeugen: Impfung der Eintagsküken – sie schützt vor der Erkrankung, nicht vor der Ansteckung. Küken getrennt von Althennen aufziehen. Den Impfstoff gibt es nur in großen Packungen (ab 1.000 Dosen); Hobbyzüchter impfen deshalb oft gemeinsam.
Meldepflicht: in Deutschland meldepflichtig, in Österreich und der Schweiz nicht.
Infektiöse Bronchitis (IB)
VirusImpfung möglichAnzeichen: Atemnot, Nasenausfluss, röchelnde Atemgeräusche; bei Küken teils tödlich. Bei Hennen bricht die Legeleistung ein, die Eier sind dünn- oder rauschalig, verformt oder gerillt.
Übertragung: Tröpfchen und Staub, auch über weite Strecken; breitet sich rasch im Bestand aus.
Vorbeugen: Impfung ab der 3. Lebenswoche, regelmäßig auffrischen. In der Schweiz ist die IB-Impfung verboten.
Infektiöse Laryngotracheitis (ILT)
VirusMeldepflichtAnzeichen: Husten, Keuchen, Atemnot, teils blutiger Schleim; Legeleistung sinkt um 10–50 %. Tritt vor allem im Herbst und Winter auf.
Übertragung: Von Tier zu Tier sowie über Besucher, Schuhe, Kleidung, Eierkartons und Tröge. Überlebende Tiere bleiben latent infiziert.
Vorbeugen: Strenge Hygiene; Augentropf-Impfung möglich (in der Schweiz verboten).
Mykoplasmose (CRD)
BakteriumImpfung möglichAnzeichen: Schnupfen, Husten, krächzende Atemgeräusche, käsige Massen in den Nasennebenhöhlen, weniger Eier.
Übertragung: Über das Brutei und von Tier zu Tier; begünstigt durch Stress, Kälte, Zugluft und schlechte Lüftung.
Vorbeugen: Gutes Stallklima, Tiere aus gesunden Beständen; Antibiotika lindern nur, bei durchgehendem Besatz stecken sich die Tiere erneut an.
Ansteckender Hühnerschnupfen
BakteriumImpfung möglichAnzeichen: Augenentzündung, Nasenausfluss mit süßlich-fauligem Geruch, geschwollene Nasennebenhöhlen („Eulenkopf“).
Übertragung: Direkter Kontakt, Staub, Trinkwasser, Personen und Geräte.
Behandeln: Antibiotika nach tierärztlicher Verordnung; vorbeugende Impfung möglich.
Geflügelpocken
VirusImpfung möglichAnzeichen: Hautform: Knötchen an Kamm, Kehllappen, um Augen und Schnabel, die eintrocknen und abfallen. Schleimhautform: Beläge in Schnabelhöhle und Kehlkopf.
Übertragung: Über kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen, bei Wildvögeln vor allem durch Stechmücken.
Verlauf: Fast alle Tiere erkranken, es sterben aber nur wenige. Bei Ausbrüchen kann ein Lebendimpfstoff die noch gesunden Tiere schützen.
Gumboro (Infektiöse Bursitis)
VirusImpfung möglichAnzeichen: Nur bei Jungtieren bis etwa 12 Wochen: matt, gesträubtes Gefieder, wässrig-weißlicher Durchfall, Zittern; bis zu 30 % Verluste.
Übertragung: Über Kot; das Virus bleibt im Stall bis zu 122 Tage ansteckend.
Vorbeugen: Impfung der Elterntiere und/oder der Küken; Desinfektion allein reicht meist nicht.
Salmonellen
BakteriumImpfung je nach LandFormen: Pullorum („weiße Kükenruhr“) wird über das Brutei übertragen und tötet viele Küken; Hühnertyphus zeigt sich mit Teilnahmslosigkeit und schwefelgelbem Durchfall. Andere Salmonellen verlaufen beim Huhn oft unbemerkt, sind aber für Menschen gefährlich.
Vorbeugen: Bruteier und Küken nur aus gesunden, kontrollierten Beständen; Eier kühl lagern, nach dem Stallbesuch Hände waschen.
Impfung: Deutschland: Pflicht für Junghennen-Bestände mit mehr als 350 Tieren (Konsumeier). Österreich: für Elterntiere vorgeschrieben. Schweiz: verboten.
E.-coli-Infektionen
BakteriumImpfung möglichAnzeichen: Küken: Nabel- und Dottersackentzündung, großes Wärmebedürfnis. Legehennen: Entzündungen des Legeapparats, „Pinguinstellung“, Ausfluss aus der Kloake – oft tödlich.
Übertragung: Über das Brutei, Staub und verschmutzte Gegenstände.
Behandeln: Antibiotika nur nach Resistenztest; vorbeugende Impfung in der Aufzucht möglich.
Aspergillose
SchimmelpilzAnzeichen: Schleichend: Schwäche, Gewichtsverlust, dann Atemnot und Schnabelatmung.
Ursache: Schimmelpilzsporen aus verschimmeltem Futter oder feuchter Einstreu; Stress und hoher Besatz begünstigen die Erkrankung.
Vorbeugen: Nur trockenes, schimmelfreies Futter und Einstreu verwenden, Stall gut lüften.
Schwarzkopfkrankheit
EinzellerAnzeichen: Bei Puten schwer mit schwefelgelbem Kot; Hühner haben meist nur schleimigen Durchfall – und tragen den Erreger weiter.
Übertragung: Über Eier und Larven des Blinddarmwurms und über Regenwürmer.
Vorbeugen: Hühner und Puten getrennt halten, Würmer kontrollieren. In der EU sind für Hühnervögel keine der früher üblichen Wirkstoffe mehr zugelassen.
Kokzidiose
EinzellerImpfung möglichAnzeichen: Vor allem bei Küken: Schläfrigkeit, wässriger bis blutiger Durchfall („Rote Kükenruhr“).
Mehr dazu: Ausführlich auf unserer Seite Parasiten bei Hühnern.
Legenot
NotfallWas passiert: Das Ei steckt im Legedarm oder in der Kloake fest. Unbehandelt kann die Henne sterben.
Ursachen: Fehlerhafte Eischalen (Windeier, Bruch- oder rauschalige Eier), Erschlaffung des Legedarms – z. B. durch Vitamin-E-, Selen- oder Calciummangel – sowie Eileiterentzündungen.
Anzeichen: Vergebliches Pressen, Unruhe, breitbeiniges Sitzen, Schwanzwippen; später sitzt die Henne entkräftet am Boden.
Was tun: Wärme und erhöhte Luftfeuchtigkeit können helfen. Kommt das Ei nach spätestens zwei Stunden nicht, umgehend zum Tierarzt.
Federpicken und Kannibalismus
VerhaltensstörungWas passiert: Hühner bepicken und rupfen sich gegenseitig die Federn; aus offenen Stellen kann Kannibalismus werden.
Ursachen: Vor allem zu wenig Gelegenheit zum Scharren und Picken, außerdem zu hohe Besatzdichte, unpassende Gruppengröße, Eiweißmangel im Futter, zu wenig Sitzstangen und schlechte Einstreu.
Abhilfe: Beschäftigung bieten – etwa Picksteine, Stroh oder Körner in der Einstreu – und früh eingreifen; verletzte Tiere vorübergehend absondern.
Stallklima und Hygiene
VorbeugungWarum: Zugluft, Kälte, schlechte Lüftung und Stress machen Hühner anfällig für Atemwegsinfektionen; feuchte, verschimmelte Einstreu fördert Aspergillose, Kokzidien und Würmer.
Was tun: Gut lüften ohne Zugluft, Einstreu trocken halten und regelmäßig erneuern, Futter trocken und verschlossen lagern, Altersgruppen getrennt halten.
Impfungen sind der wichtigste Schutz vor vielen Viruskrankheiten. Geimpft werden nur gesunde, parasitenfreie Tiere – und zwar bevor der Schutz durch die Antikörper aus dem Ei nachlässt. Der folgende Plan ist die Empfehlung eines Impfstoffherstellers für Hobbybestände; stimmen Sie ihn immer mit Ihrem Tierarzt ab.
Geimpft wird je nach Impfstoff über das Trinkwasser, als Spray, als Augen- oder Nasentropfen oder per Spritze. Bei der Trinkwasserimpfung die Tiere etwa zwei Stunden vorher dursten lassen und das Impfwasser nach rund zwei Stunden durch frisches Wasser ersetzen.
Stand der Länderangaben laut Hersteller-Broschüre (MSD, 2025); verbindlich sind die aktuellen nationalen Vorschriften – fragen Sie im Zweifel Ihren Tierarzt.
Auch wer nur ein paar Hühner hält, gilt rechtlich als Geflügelhalter. Die wichtigsten Regeln im Überblick – Details und aktuelle Anordnungen erfahren Sie bei Ihrer Behörde.