Ob unter der Glucke oder im Brutapparat: In 21 Tagen wird aus einem Brutei ein Küken. Hier lesen Sie, wie Sie Bruteier richtig lagern, worauf es beim Brüten und Schieren ankommt und wie die ersten Wochen der Küken gelingen – mit den Regeln für Österreich, Deutschland und die Schweiz.
Bruteier kühl bei etwa 10–15 °C und mit der Spitze nach unten lagern und möglichst innerhalb einer Woche einlegen.
Versandte Eier vor dem Einlegen mindestens 24 Stunden ruhen lassen.
Die Brutdauer beträgt beim Huhn 21 Tage.
Im Motorbrüter bei rund 37,5–37,8 °C und 50–60 % Luftfeuchte brüten; ab Tag 18 nicht mehr wenden und die Luftfeuchte erhöhen.
Schieren um den 7. Tag (braune Eier etwas später) und am 18. Tag – unbefruchtete und abgestorbene Eier herausnehmen.
Während des Schlupfs den Brüter geschlossen lassen und den Küken nicht aus der Schale helfen.
Küken brauchen anfangs 32–36 °C an der Wärmequelle, danach jede Woche etwas weniger – ihr Verhalten zeigt, ob es passt.
21 TageBrutdauer beim Huhnab Tag 18 beginnt die Schlupfphase
37,5–37,8 °Cim Motorbrüter bis Tag 18Flächenbrüter: etwas höher, an der Eioberseite gemessen
50–60 %Luftfeuchte bis Tag 18zum Schlupf höher: etwa 65–80 %
32–36 °Cfür Küken in den ersten Tagendirekt an der Wärmequelle, dann jede Woche 1–3 °C weniger
Bruteier richtig lagern und vorbereiten
Die Brut beginnt schon beim Lagern: Je frischer die Eier und je schonender sie gelagert werden, desto mehr Küken schlüpfen. Nach zehn Tagen Lagerzeit kann die Schlupfrate unter 60 % sinken (Südtiroler Bauernbund).
1Auspacken und prüfen
Eier nach dem Versand vorsichtig auspacken und auf Risse prüfen.
Nur saubere, normal geformte Eier mit unbeschädigter Schale einlegen; stark verschmutzte, verformte oder rissige Eier eignen sich kaum.
2Ruhen lassen
Nach dem Transport mindestens 24 Stunden ruhen lassen.
Dabei schon so lagern wie unten beschrieben: kühl und mit der Spitze nach unten.
3Kühl lagern
Gleichmäßig bei etwa 10–15 °C, ohne Frost und direkte Sonne.
Nicht zu trocken – die Empfehlungen reichen von etwa 50 bis 75 % relativer Luftfeuchte.
Täglich ein- bis zweimal wenden bzw. die Schräglage wechseln, auch im Eierkarton.
4Rasch einlegen
Am besten innerhalb einer Woche nach dem Legen.
Vor dem Einlegen langsam auf Zimmertemperatur kommen lassen, um einen Temperaturschock zu vermeiden.
Am einfachsten ist die Brut mit einer Glucke: Sie hält die Eier warm, wendet sie und führt die Küken danach selbst. Bei vielen Legerassen ist der Bruttrieb allerdings weitgehend weggezüchtet. Als zuverlässige Glucken gelten zum Beispiel Seidenhühner, Zwerg-Cochin, Federfüßige Zwerghühner, Holländische Zwerghühner, Orpington oder Altsteirer – mehr dazu im jeweiligen Rasseporträt.
1Nest vorbereiten
Einen ruhigen, abgetrennten Platz wählen. Ins Nest kommen einige Zentimeter leicht feuchte Erde und darauf eine flache Mulde aus Spreu oder Heu – nicht zu klein und nicht zu tief.
2Glucke prüfen
Die Henne im Dunkeln aufs Nest setzen und zwei Tage auf Ersatzeiern sitzen lassen. Erst wenn sie fest sitzt, die Bruteier unterlegen; wie viele, hängt von der Größe der Henne und der Eier ab.
3Versorgen
Futter und Wasser in der Nähe anbieten. Die Glucke sollte das Nest mindestens einmal am Tag verlassen, um zu fressen und sich zu putzen – sonst behutsam herunterheben.
4Kontrollieren
Am 7. Tag unbefruchtete, am 18. Tag abgestorbene Eier entfernen. Henne und Nest vorher auf Milben kontrollieren und bei Bedarf behandeln (siehe Rote Vogelmilbe).
Kunstbrut im Brutapparat
Im Brutapparat übernimmt die Technik die Arbeit der Glucke. Es gibt zwei Bauarten – welche Temperatur richtig ist, hängt davon ab, welche Sie verwenden:
Motorbrüter
mit Ventilator
Prinzip: Ein Ventilator wälzt die Luft um, im ganzen Brutraum herrscht dieselbe Temperatur.
Temperatur: Rund 37,5–37,8 °C bis Tag 18; für die Schlupfphase nennt der Südtiroler Bauernbund etwa 37 °C.
Wenden: Viele Geräte wenden automatisch – mehrmals über den Tag verteilt.
Flächenbrüter
ohne Ventilator
Prinzip: Strahlungswärme von oben; zwischen Ober- und Unterseite des Eis entsteht ein Temperaturgefälle.
Temperatur: Etwas höher als im Motorbrüter, gemessen direkt an der Oberseite der Eier – laut Virginia State University etwa 37,8–38,3 °C.
Wenden: Meist von Hand; laut Kleintiere Schweiz optimal etwa achtmal in 24 Stunden.
Ein Raum mit möglichst gleichbleibend 15–20 °C, etwa 40–50 % Luftfeuchte und Frischluft – ohne direkte Sonne.
2Probelauf
Den Brüter ein bis zwei Tage vorher einschalten, bis Temperatur und Luftfeuchte stabil sind. Das Thermometer prüfen, etwa mit einem zweiten Thermometer.
3Einlegen
Die Eier auf Zimmertemperatur kommen lassen. Wer von Hand wendet, markiert sie mit Bleistift auf zwei gegenüberliegenden Seiten mit X und O.
4Erste Stunden
Die Temperatur sinkt zunächst, während sich die Eier aufwärmen. In den ersten 48 Stunden nicht nachheizen – sonst droht Überhitzung.
Der 21-Tage-Plan im Motorbrüter
Tag
Temperatur
Luftfeuchte
Wenden
Was ist zu tun?
vorher
einregeln
Wasserschalen füllen
–
Brüter reinigen und ein bis zwei Tage vorher einschalten; Eier auf Zimmertemperatur bringen
1–2
37,5–37,8 °C
50–60 %
spätestens ab Tag 3
Eier einlegen, Brüter geschlossen halten, nicht nachheizen
3–17
37,5–37,8 °C
50–60 %
mindestens 3-mal täglich, besser öfter
um Tag 7 schieren (braune Eier einige Tage später), Wasser nachfüllen
18
gleich oder leicht niedriger
auf 65–80 % erhöhen
nicht mehr wenden
zweites Schieren, Eier in die Schlupfhorde legen; der Brüter bleibt ab jetzt zu
19–21
gleich oder leicht niedriger
65–80 %
–
Schlupf; Küken im Brüter trocknen lassen (etwa 12–24 Stunden)
Richtwerte nach Südtiroler Bauernbund, Kleintiere Schweiz, BRUJA und Virginia State University – die Angaben der Quellen unterscheiden sich leicht. Maßgeblich ist die Anleitung Ihres Geräts; im Flächenbrüter liegt die Temperatur an der Eioberseite etwas höher.
Schieren: Was zeigt das durchleuchtete Ei?
Beim Schieren halten Sie das Ei in einem abgedunkelten Raum vor eine helle Lampe. So sehen Sie, ob sich ein Embryo entwickelt, und können unbefruchtete und abgestorbene Eier herausnehmen.
UnbefruchtetDas Ei bleibt hell und klar, ohne Adern.Foto: CDC / Dr. Joseph McDade · gemeinfrei · Wikimedia Commons
AbgestorbenKeine lebende Entwicklung – oft nur ein Fleck oder dünne Aderschlieren.Foto: CDC / Dr. Joseph McDade · gemeinfrei · Wikimedia Commons
Lebender Embryo11. Bruttag: dunkler Schatten mit kräftigen Blutgefäßen.Foto: CDC / Dr. Joseph McDade · gemeinfrei · Wikimedia Commons
1Um Tag 7
Befruchtete Eier zeigen ein rötliches Adernetz mit dunklem Punkt („Spinne“), unbefruchtete bleiben hell. Nicht zu früh schieren – der Embryo ist anfangs empfindlich.
2Braune Schalen
Braune Eier erst einige Tage später schieren. Bei sehr dunklen Eiern wie denen von Marans, Barnevelder oder Welsumer hilft eine besonders helle Lampe.
3Tag 18
Vor dem Schlupf ein zweites Mal schieren und abgestorbene Eier entfernen. Danach bleibt der Brüter geschlossen.
Der Schlupf
AnpickenDas Küken hat die Schale angepickt – bis zum Schlupf können viele Stunden vergehen.Foto: Linsenhejhej · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
SchlüpfenDas Küken öffnet die Schale ringsum und drückt sich heraus.Foto: grendelkhan · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons
Ohne Glucke übernimmt eine Wärmequelle ihre Rolle – eine Wärmeplatte, ein Infrarotstrahler oder eine Wärmelampe. Richten Sie den Aufzuchtbereich vor dem Schlupf ein, reinigen und desinfizieren Sie ihn und schalten Sie die Wärmequelle einen Tag vorher ein.
1Wärme
In den ersten Tagen 32–36 °C direkt an der Wärmequelle; der übrige Bereich bleibt kühler, damit die Küken ausweichen können.
Ab der zweiten Woche jede Woche um 1–3 °C senken, zum Beispiel indem Sie die Lampe höher hängen.
Nach etwa sechs Wochen genügen meist 18–21 °C; je nach Witterung brauchen Küken aber bis zu 8–12 Wochen etwas Zusatzwärme.
2Einstreu und Platz
Trockene, staubfreie Einstreu, etwa Hanf, Kornspreu oder Quarzsand; verbreitet sind auch Hobelspäne.
Keine glatten Flächen wie Zeitungspapier, Karton oder Plastik – darauf rutschen Küken weg und können Beinschäden bekommen.
So viel Platz, dass alle Küken gleichzeitig fressen und trinken und der Wärme ausweichen können.
3Futter und Wasser
Frisches Wasser von Anfang an, in flachen Kükentränken; Futter ab dem zweiten Lebenstag.
Kükenalleinfutter bis zur 8. Lebenswoche, danach Junghennenfutter bis zur Geschlechtsreife; Legefutter erst ab Legebeginn.
Quarzsand von Anfang an anbieten.
Kükenfutter gibt es mit und ohne Kokzidiostatikum – gegen Kokzidiose geimpfte Küken bekommen Futter ohne.
4Gesundheit
Bruteier und Küken nur aus gesunden, kontrollierten Beständen – manche Erreger wie Salmonellen oder Mykoplasmen werden über das Ei übertragen.
Küken getrennt von älteren Hühnern aufziehen.
Impfungen gegen Marek (1. Lebenstag) und Kokzidiose (1.–9. Lebenstag) mit dem Tierarzt planen – siehe Impfplan.
Einstreu trocken und Tränken sauber halten: In nasser Einstreu reifen Kokzidien heran.
Zu warm oder zu kalt? Das Verhalten verrät es
Die Küken drängen sich dicht unter der Wärmequelle und piepsen laut.
zu kalt – Wärmequelle tiefer hängen
Die Küken meiden die Wärmequelle, sitzen am Rand und hecheln.
zu warm – Wärmequelle höher hängen
Die Küken drängen sich auf einer Seite oder in einer Ecke.
Zugluft – Aufzuchtbereich abschirmen
Die Küken verteilen sich, piepsen leise, fressen und ruhen.
Mindestens 60 cm Abstand zu brennbarem Material und zu den Tieren halten, kein Langstroh als Einstreu verwenden und das Gerät nie abdecken. Den Strahler nur mit Schutzkorb betreiben und an der Kette aufhängen, nie am Kabel – so verlangt es etwa die Gebrauchsanweisung von Kerbl.
Spritzwasser kann eine heiße Birne zum Platzen bringen: Tränken nicht direkt darunter stellen; Hartglaslampen sind robuster.
Eine Alternative ist die Wärmeplatte („künstliche Glucke“), unter der sich die Küken wie unter einer Henne wärmen.
Hahn oder Henne?
Etwa die Hälfte der Küken sind Hähne. Bei den meisten Rassen erkennt man das Geschlecht erst nach einigen Wochen. Kennfarbige Rassen wie das Bielefelder Kennhuhn oder die Cream Legbar lassen sich dagegen schon beim Schlupf an der Daunenfarbe unterscheiden; auch bei Amrocks und den kennfarbigen Schlägen der Italiener gelingt das früh. Überlegen Sie schon vor der Brut, was mit den Hähnen geschehen soll – behalten, abgeben oder schlachten.
Wer Rassegeflügel züchtet und ausstellt, beringt die Jungtiere mit den Ringen seines Verbandes – die passende Ringgröße finden Sie in den Rasseporträts im Rasselexikon.
Wenn die Brut nicht klappt: häufige Ursachen
Viele Eier bleiben beim Schieren klar.
unbefruchtet oder früh abgestorben – oft zu lange oder zu warm gelagert
Embryonen sterben während der Brut ab.
Temperatur zu hoch oder schwankend, zu selten gewendet, Stromausfall oder mangelnde Hygiene
Küken picken an, schlüpfen aber nicht oder kleben fest.
zu trockene Luft beim Schlupf oder der Brüter wurde geöffnet
Küken schlüpfen deutlich zu früh oder zu spät.
zu früh: meist zu warm bebrütet; zu spät: zu kühl oder nach einem Stromausfall
Küken mit gespreizten Beinen.
glatter Untergrund in den ersten Lebenstagen
Stromausfall
Notfall
Was tun: Den Brüter geschlossen lassen und mit Decken isolieren, damit die Wärme möglichst lange hält.
Wie schlimm: Embryonen haben schon bis zu 18 Stunden unter 32 °C überlebt. Meist verzögert sich der Schlupf dann um ein paar Tage, und die Schlupfrate sinkt oft auf 40–50 %.
Überhitzung
gefährlicher als Kälte
Warum: Schon 15 Minuten bei 40,5 °C schädigen die Embryonen ernsthaft, während 35 °C über drei bis vier Stunden vor allem die Entwicklung verlangsamen.
Vorbeugen: Den Brüter nicht in die Sonne oder neben die Heizung stellen und die Temperatur mit einem zweiten Thermometer kontrollieren.
Angaben zu Stromausfall und Überhitzung laut Virginia State University (Small Flock Factsheet „Incubating Eggs“).
Pflichten in Österreich, Deutschland und der Schweiz
Wer Küken schlüpfen lässt, ist rechtlich Geflügelhalter – auch mit wenigen Tieren. Ausführlich dazu auf unserer Seite Hühnerkrankheiten.
ATÖsterreich
Anmelden: Jede Geflügelhaltung – auch Hobby – binnen einer Woche bei der Bezirksverwaltungsbehörde melden.
Impfen: Die Newcastle-Impfung ist erlaubt, aber nicht vorgeschrieben; Marek- und Kokzidiose-Impfung sind erlaubt.
Auffällige Verluste: Den Amtstierarzt verständigen, wenn etwa mehr als 3 % der Tiere in einer Woche sterben oder Futter- und Wasseraufnahme um mehr als 20 % sinken.
DEDeutschland
Anmelden: Jede Geflügelhaltung beim Veterinäramt anzeigen und die Hühner bei der Tierseuchenkasse melden – unabhängig von der Tierzahl.
Newcastle-Impfpflicht: Sie gilt auch für selbst aufgezogene Junghühner; wann zum ersten Mal geimpft wird, hängt vom Impfstoff ab (siehe Impfplan).
Bestandsregister: Zu- und Abgänge mit Datum notieren und drei Jahre aufbewahren.
CHSchweiz
Registrieren: Jede Geflügelhaltung – auch Hobby – beim Kanton (Koordinationsstelle bzw. Veterinärdienst) anmelden.
Impfen: Impfungen gegen Newcastle, IB, ILT und Salmonellen sind verboten; Marek, Gumboro und Kokzidiose sind erlaubt.
Tierschutz: Hühner dürfen nicht einzeln gehalten werden.
Stand: November 2026. Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz jeweils am Bild. Die Richtwerte ersetzen nicht die Anleitung Ihres Brutgeräts. Rechtliche Vorgaben ändern sich – maßgeblich sind die aktuellen Bestimmungen Ihrer Behörde.
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